Gutes von Land und Meer

Fangmethoden

Wenn in einem Gewässer dauerhaft mehr Fische gefangen werden als durch natürliche Vermehrung nachwachsen oder aus anderen Gewässern zuwandern, sprechen wir von Überfischung. Dies ist kein neues Problem. Es wurde bereits Anfang der 1890er-Jahre für den Nordatlantik und den Pazifik erkannt und war ein halbes Jahrhundert später Gegenstand einer internationalen Konferenz. Das Londoner Überfischungsabkommen von 1946 beschränkte sich zwar auf 12 Fischarten und enthielt keine Begrenzung der Tonnage der Fangflotten bzw. keine Höchstfangquoten, aber immerhin wurden die Maschenweiten der Netze und Mindestgrößen fangbarer Fische detailliert bestimmt.

Dies war erst der Anfang und in der Folgezeit konnten weitere Verbesserungen durchgesetzt werden. Dennoch werden bis heute auch folgende umstrittene Techniken angewendet:

Treibnetze: An der Wasseroberfläche an Bojen befestigt und an der Unterkante mit Gewichten versehen, treiben die feinen Kunststoffnetze als sogenannte „Wände des Todes“ knapp unter der Wasseroberfläche und fischen neben den Zielarten (Hering, Lachs, Schwert- und Thunfisch) auch Meeresschildkröten, Haie, Wale und Seevögel ab. Schwarmfische stoßen mit den Köpfen durch die Netzmaschen und bleiben beim Zurückweichen mit den Kiemen hängen. Meeressäuger wie Delfine kommen nicht rechtzeitig zum Luftholen. Die Tiere hängen sich auf oder ersticken elendiglich.
Vor allem wegen ihrer immensen Beifangraten sind Treibnetze weltweit geächtet. Das heißt jedoch nicht, dass es sie nicht mehr gibt. Allein im Mittelmeer, so die Schätzung von Greenpeace, waren 2006 noch 400 bis 500 illegal operierende Treibnetzfischer unterwegs. Für die Hochseefischerei sind Treibnetze seit 1992 (Resolution der Vereinten Nationen) verboten, für die letzten Fanggründe der EU (Ostsee) erst seit Anfang 2008. Für das Mittelmeer wurden sie praktisch über eine Hintertür wieder eingeführt: Seit Ende 2006 dürfen Grundstellnetze auch schwebend aufgespannt werden. Diese Schwebenetze oder pelagischen Stellnetze unterscheiden sich in den Augen von Meeresschutz-Organisationen nicht von Treibnetzen, da sie genau wie diese nahe der Oberfläche treiben.

Schleppnetze: Diese weit verbreiteten Fischfanggeräte kommen insbesondere in der Tiefseefischerei zum Einsatz. Sie sind an einem oder mehreren Trawlern befestigt und werden hinterhergezogen, „geschleppt“. Varianten sind das pelagische Schleppnetz im freien Wasser und das Grundschleppnetz für die Tiefseefischerei. Letztere gehören zu den zerstörerischsten Fischfangmethoden überhaupt: Neben der enormen Beifangrate von 80 – 90 % hinterlassen sie einen völlig verwüsteten Meeresboden. Riesige Staubwolken lassen viele Fische ersticken. In 5.000 Jahren gewachsene Riffe sind innerhalb weniger Minuten vernichtet.

Stellnetze: Der Unterschied zu den Treibnetzen ist marginal: Eine einfache Netzwand aus Nylon blockiert den Fischen den Weg, sie bleiben mit dem Kopf stecken und verenden. Insbesondere Schweinswale werden Opfer der Stellnetzfischerei. Wie bei den Schleppnetzen gibt es zwei Varianten: an Schwimmern aufgehängte pelagische Stellnetze und mit Gewichten versehene Grundstellnetze.

Langleinen: Auch wenn dies schon besser klingt als ein Netz, solche Leinen können bis zu 130 Kilometer lang und mit mehr als 20.000 Köderhaken versehen sein. Das Prinzip: An einer Hauptleine hängen zahlreiche Nebenleinen mit den Ködern. Mittels Radiotransmittern findet der Fischkutter die ausgelegten Leinen und holt sie einfach ein. Die Beifangrate liegt durchschnittlich bei ca. 20 % der Gesamtfangmenge. Vor allem Haie, Rochen, Seevögel und Meeresschildkröten lassen sich ködern. Außerdem führen Langleinen mittlerweile zu Überfischung der Zielfischarten wie dem Roten Thunfisch, dem Schwertfisch und dem Schwarzen Seehecht.

Dass es auch anders geht, zeigt die nachhaltige Fischerei. Für das Zertifizierungsunternehmen Friend of the Sea© ist die Fangmethode selektiv, wenn maximal 8 % des Fangs zurückgeworfen wird und kein Beifang gefährdeter Arten nach der „Roten Liste“ des IUCN (Internationaler Verband der Naturschutz-Organisationen) dabei ist. Der MSC™ nennt keine konkrete Zahl, sondern berücksichtigt bei der Zertifizierung u.a. den Zustand der Fischbestände und die Auswirkungen auf die maritime Umwelt (z.B. Seevögel). Im Jahr 2015 stammten ca. 10 % der weltweiten Fischfänge und Meeresfrüchte aus MSC-zertifizierten Fischereien.

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